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Über 50 Fachpersonen aus allen relevanten Bereichen der Onkologie sowie Patient:innenvertretungen haben erstmals gemeinsame Konsensusempfehlungen zur koordinierten Cancer Survivorship Care in der Schweiz erarbeitet. Die Empfehlungen definieren zentrale Verantwortlichkeiten, strukturieren die interprofessionelle Zusammenarbeit und legen Minimalstandards für die Versorgung von Cancer Survivors fest. Die Empfehlungen wurden am SOHC 2025 in einer oral Session vorgestellt und gleichzeitig publiziert.
Hünenberg See, 21. November 2025 – All.Can Schweiz gibt heute die Veröffentlichung der ersten nationalen Konsensusempfehlungen für Cancer Survivorship Care in der Schweiz bekannt. Diese entstand durch eine Initiative von All.Can Schweiz und wurde von über 50 Vertreter:innen aus Fachgesellschaften, verschiedener Disziplinen sowie Patient:innenorganisationen gemeinsam erarbeitet. Das Dokument legt erstmals einen strukturierten Orientierungsrahmen für die koordinierte Betreuung von Menschen fest, die eine Krebserkrankung überlebt haben.
Die Empfehlungen behandeln die grossen medizinischen, psychosozialen und ökonomischen Herausforderungen, mit denen Cancer Survivors kurz- und langfristig konfrontiert sind. Sie definieren klare Verantwortlichkeiten innerhalb der Fachpersonen, benennen das erforderliche Minimalangebot und geben konkrete, alltagsnahe Handlungsempfehlungen für alle Berufsgruppen entlang des Versorgungspfads. Ziel ist es, das Risiko zu senken, dass Spätfolgen, Belastungen oder Unterstützungsbedarfe auftreten, unentdeckt bleiben oder nicht adäquat behandelt werden.
Die Konsensusempfehlungen wurden heute im Rahmen einer oral Session am Swiss Oncology and Hematology Congress (SOHC) 2025 in Basel vorgestellt und gleichzeitig beim Ärzteverlag medinfo publiziert.1,2
„Cancer Survivorship betrifft immer grössere Teile der Bevölkerung. Wir sehen jedoch eine erhebliche Heterogenität in der Cancer Survivorship Care, sei es medizinisch, psychosozial oder sozialrechtlich. Diese Empfehlungen schaffen erstmals einen gemeinsamen Orientierungsrahmen, der allen Berufsgruppen hilft, Risiken früh zu erkennen und Betroffene strukturiert zu begleiten“, sagt Prof. Dr. med. Miklos Pless, Präsident des Swiss Cancer Institute, Onkologe am Kantonsspital Winterthur und wissenschaftlicher Leiter der Arbeitsgruppe.
Ergänzend hebt Dr. med. Bettina Balmer, Kinderchirurgin, Nationalrätin und Vorstandsmitglied All.Can Schweiz, hervor: „Die Empfehlungen kommen genau zum richtigen Zeitpunkt: Der demografische Wandel führt zu immer mehr Cancer Survivors und damit zu einem steigenden Bedarf an koordinierter, effizienter und chancengerechter Versorgung. Ein gemeinsamer Konsens hilft allen Beteiligten, Betroffene frühzeitig zu unterstützen und Ressourcen gezielt einzusetzen.“
All.Can Schweiz dankt der JAKA Stiftung, deren Unterstützung die Erarbeitung dieser nationalen Empfehlungen ermöglicht hat.
Über die Konsensusempfehlungen für Cancer Survivorship Care in der Schweiz
Die Konsensusempfehlungen wurden entwickelt, um die Survivorship Care in der Schweiz zu stärken und ein gemeinsames Verständnis für eine umfassende Betreuung zu fördern. Sie richten sich an alle relevanten Fachgruppen – medizinisch, pflegerisch, therapeutisch, psychosozial und spirituell – und bieten einen strukturierten Überblick über die zentralen Aspekte der Nachsorge.
Erarbeitet wurde das Dokument von einer interprofessionellen Projektgruppe in Anlehnung an internationale Frameworks, ergänzt durch Interviews mit Fachpersonen und Betroffenen. In zwei Konsensuskonferenzen im Jahr 2025 wurden die Empfehlungen mit über 50 Expert:innen und Betroffenen diskutiert, validiert und verabschiedet.
Die Empfehlungen betonen ein breites bio-psycho-soziales Verständnis von Survivorship Care, die Bedeutung einer koordinierten interprofessionellen Versorgung sowie die aktive Einbindung von Betroffenen und ihren Angehörigen.
Die Erarbeitung der Konsensusempfehlungen wurde durch die finanzielle Projektförderung der JAKA Stiftung an All.Can Schweiz unterstützt.
Über Cancer Survivors
Unter Cancer Survivors verstehen die Konsensusempfehlungen alle Menschen, die eine Krebsdiagnose erhalten haben. Der Status ist unabhängig davon, ob sie sich in aktiver Behandlung, Remission oder Langzeitnachsorge befinden.
In der Schweiz leben heute über 450’000 Cancer Survivors.[3],[4] Diese Zahl dürfte aufgrund des demografischen Wandels und der verbesserten Behandlungsmöglichkeiten weiter zunehmen.
Viele Cancer Survivors sind mit körperlichen, psychischen, sozialen oder spirituellen Folgen und einem erhöhten Risiko für weitere Krebserkrankungen konfrontiert; einige erlangen ihre volle Funktionsfähigkeit zurück, während andere langfristige Einschränkungen bewältigen müssen.
Über die Arbeitsgruppe
Die inhaltliche Vor- und Nacharbeit für die Konsensuskonferenzen wurde von einer interprofessionellen Arbeitsgruppe geleistet, die zentrale Fachkompetenzen aus Wissenschaft, Klinik, Pflege, Psychosozialer Versorgung und Patientenvertretung vereint. Ihr gehörten an:
Die Arbeitsgruppe legte die fachliche und methodische Grundlage für den Konsensusprozess und trug wesentlich dazu bei, ihre Expertise und die Vielfalt der Perspektiven in die Empfehlungen einzubringen.
Über die JAKA Stiftung
Die JAKA Stiftung ist eine gemeinnützige Organisation gegründet im Jahr 2015 in der Schweiz. Sie ist fördernd tätig in den Bereichen Bildung, Forschung und Wissenschaft, dem Gesundheitswesen und weiteren. Mehr über die JAKA Stiftung: www.jaka-stiftung.ch
Über All.Can Schweiz
All.Can ist eine internationale Multi-Stakeholder-Initiative, die Ende 2016 in Europa lanciert wurde. Sie verfolgt das Ziel, die Effizienz der Krebsversorgung weltweit zu verbessern und die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten zu steigern. Anfang 2018 wurde auch eine All.Can Initiative in der Schweiz lanciert und Ende 2019 wurde der Verein All.Can Schweiz gegründet. Dieser ist seither auf verschiedenen Ebenen aktiv, hat diverse Projekte lanciert und den Dialog mit Stakeholdern im Gesundheitswesen aufgenommen. Im Zentrum des Engagements von All.Can Schweiz stehen die «Effizienz» der Krebsversorgung und die «Chancengerechtigkeit» für alle Patientinnen und Patienten.
Kontakt
Tel: +41 79 216 45 69, E-mail: switzerland@all-can.ch
[1] Pless M, et al. Cancer Survivorship Care: Nationale Konsensusempfehlungen. Präsentiert am SOHC; 2025 Nov 21; Basel, Schweiz.
[2] Eicher M, et al. Konsensusempfehlungen für Cancer Survivorship Care in der Schweiz, Ärzteverlag medinfo. 2025. 1-38. Konsensusempfehlungen-Cancer-Survivorship-Care_2025_D.pdf
[3] https://ind.obsan.admin.ch/indicator/monam/krebs-inzidenz, Stand 21.11.2025
[4] https://www.krebsliga.ch/ueber-krebs/zahlen-fakten/-dl-/fileadmin/downloads/sheets/zahlen-krebs-in-der-schweiz.pdf, Stand 21.11.2025